Die Künstlerin des FrauenArt-Abends: Mikro- und Makrokosmos

Das Jahr 2020 meint es gut mit Silke Albrecht: Bereits Mitte Februar widmete ihr die Galerie Achenbach/Hagemeier in Berlin eine Einzelausstellung. Fast parallel wurden auch ihre Werke in Wien bei einer Gruppenaustellung gezeigt. Zwischendurch präsentierte sie eine Auswahl von Werken, die gerade 2019 entstanden sind, bei der FrauenArt am 18.02. und im April darf auch das internationale Publikum der ältesten Kunstmesse der Zeitgenössischen Kunst, nämlich der ART COLOGNE, ihrer Kunst begegnen.
(c) Silke Albrecht, Künstlerin Silke Albrecht in ihrem Atelier in Düsseldorf Flingern-Nord
(c) Silke Albrecht, Künstlerin Silke Albrecht in ihrem Atelier in Düsseldorf Flingern-Nord
Die Kraft, die die Künstlerin antreibt, sich jeden Tag mehrere Stunden in ihrem kühlen Atelier zu Klängen von New Age Musik der 70er Jahre ihrer Kunst zu widmen ist, in ihren Werken den Kontrast und gleichzeitig die Symbiose des Einzelnen mit dem Ganzen auszudrücken. In ihren aktuellen Arbeiten begegnen wir unterschiedlichen Schöpfungswelten, die sich wiederum aus einzelnen Mikrokosmen zusammen setzten. Oft weisen auch die Titel der Bilder auf diese visuellen Darstellungen von Brüchen und Entstehungsprozessen hin, wie z.B. „rupture“ (= Riss, Bruch) oder „sediments“ (=Ablagerungen).
(c) Silke Albrecht, "rupture (6)", 2019, Triptychon
(c) Silke Albrecht, "rupture (6)", 2019, Triptychon
Somit macht es auch Sinn, dass einzelne Kunstwerke von Silke Albrecht aus zwei bis vier einzelnen Teilen sich zusammen setzten. Durch diese Zusammensetzung ergeben die Teile in ihrer Gesamtheit ein Ganzes, gleichzeitig ist aber jedes Teil für sich auch ein eigenes und in sich abgeschlossenes, vollkommenes Ganzes. Oft unterscheiden sich die Einzelteile der Triptychons auch thematisch und stilistisch voneinander. Demzufolge kann selbst der Bildrahmen an sich als eine Umrandung der eigenen Welt für sich und gleichzeitig als eine Ab-Grenzung zu der anderen – dicht neben ihr gleichwertig wirkenden und existierenden Bildwelt – verstanden werden.
Konsequent zieht die Künstlerin ihre Sichtweise durch, denn die Wahl und Einsatz der Materialien ist alles andere als willkürlich, sondern der Gesamtintention entsprechend und zum Teil sogar provokant, wie z. B. die Einarbeitung des eigenen Atelierstaubs. Wiederum spannt das Blumengranulat den Bogen zu den surrealistisch dargestellten Pflanzenkompositionen. Und einzelne Spiegelscherben reflektieren das Erscheinungsbild des Betrachters im Bild selbst und somit der Komposition dieses kreierten Bildkosmos. Auf diese Weise wird der Betrachter, der zuerst nichts mit dem Bild zu tun hat und somit eine Distanz scheinbar vorhanden ist, doch in die Bildfläche hinein geholt – allein durch den Akt der Betrachtung bzw. dem Moment, in dem er als ein Individuum in Resonanz mit dem dargestellten Kunstkosmos im Bild tritt. Wesentlich hierbei ist die Zerstreuung des Spiegels, die demzufolge nie ein vollkommenes Ganzes des Betrachters wiedergibt, sondern nur immer einen Teil und somit auch seine Einzigartigkeit nur verzerrt auffängt.
(c) Silke Albrecht, Detail des Bildes "Ohne Titel (Salon 3)", 2019
(c) Silke Albrecht, Detail des Bildes "Ohne Titel (Salon 3)", 2019
Der Aspekt von Aktion und Reaktion zeigt sich auch zum Teil in dem Gestaltungsprozess, wie z. B. den Schüttungen bzw. Streuungen – wie es die Künstlerin selbst nennt – die sie durchaus im Entstehungsprozess mit beeinflussen kann, jedoch nie ganz kontrollieren kann, schon gar nicht bis ins kleineste Detail. Es ist eher eine bewusst kontrolliert unkontrollierte Arbeitsweise, bei der die Selbständigkeit der gewählten Materialien durchaus eine eigene Dynamik entwickeln und damit einhergehende freie Gestaltung der Oberfläche ermöglichen kann. Sehr gut wird dies in den oxidierenden Kupferplatten sichtbar.
(c) Silke Albrecht, Detail des Bildes "sediments (2)", 2019, ein Beispiel für "Schüttung" des Blumengranulats
(c) Silke Albrecht, Detail des Bildes "sediments (2)", 2019, ein Beispiel für "Schüttung" des Blumengranulats
Auf den ersten Blick auf die abstrakten Gemälde der Künstlerin Albrecht mag es aussehen, als ob vieles willkürlich entstanden ist, jedoch seien Sie versichert: Dem ist nicht so. Dementsprechend ist auch die genaue Auflistung der Materialien nicht der Genauigkeit des Galeristen geschuldet, sondern der bewussten Kommunikation der Künstlerin mit dem Betrachter, dem sie nicht, die für die Interpretation ihrer Kunst durchaus auch nützliches Wissen über die einzelnen Bildgestaltungselemente, vorenthalten will.
So schließt sich der Kreis zu den prägenden Themen im Schaffen der Künstlerin Albrecht: Individuum als vollkommenes Ganzes in sich und gleichzeitig ein Teil eines viel größeren Ganzen, dem gegenüber er auch verantwortlich ist. Ein falscher Glauben, dass wir als Mensch – im Vergleich zur Existenz der Erde einer Eintagsfliege gleich – die Erde beherrschen, kontrollieren können und infolge dessen eine immer mehr künstliche Welt erschaffen, die ab einem gewissen Zeitpunkt sich jedoch nicht (mehr) kontrollieren lässt.
Eine Perspektive, die sowohl gesellschaftskritisch als auch sehr zeitgemäß ist.
(c) Silke Albrecht, Bild "orom id atset (1)", 2019
(c) Silke Albrecht, Bild "orom id atset (1)", 2019

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