Artist Talk direkt im Atelier von Silke Albrecht

(c) Ania Holthausen - Agnieszka Mese, die Künstlerin Silke Albrecht und weitere Kunstliebhaberinnen bei der FrauenArt am 18.02.2020 im Atelier der Künstlerin
(c) Art Consutling Mese, die Künstlerin Silke Albrecht und die Kunstberaterin Agnieszka Mese (vorne von links nach rechts) im Kreise der Teilnehmerinnen von FrauenArt im Februar 2020
Es ist bereits dunkel, als hinter der großen Glastür des Ateliers von Silke Albrecht die ersten Gäste des Abends auftauchen. Der Eingang ist ein wenig versteckt, da er sich hinter dem Haus 56 auf der Engerstr. in Düsseldorf-Flingern befindet. Damit die Damen den Weg trotzdem ohne große Umwege finden habe ich Pfeile in Rot und Rosa – passend zum heutigen Abend – auf den Boden mit Kreide gemalt. Leider sind sie wenig in der Dunkelheit sichtbar. Folglich empfängt mein Mann die Damen bereits auf dem großen Douglas-Parkplatz neben dem Haus und weist ihnen weiter den Weg zu den Kunsträumen.
Hier werden sie von mir bereits freudig mit einem Gläschen Sekt, in dem ein paar Beeren schwimmen, bei der inzwischen dritten FrauenArt willkommen geheißen. Nun können die Damen ihre Mäntel ablegen, auf der Couch verschnaufen und sich auf der Empore bereits ein wenig umschauen.
Die Gespräche beginnen schon an der Tür. Einige der Damen kennen sich bereits von den vorigen Treffen. Andere wiederum sehen sich nach Jahren wieder, ohne gewusst zu haben, dass sie sich heute bei FrauenArt begegnen würden.
Folglich ist die Stimmung ungeniert. Jede der Damen ist herzlich willkommen und durch das “Du” schnell in den Kreis integriert. Mit ein paar Flaschen Wasser und Sekt als erfrischenden Nachschub begeben wir uns gegen 19 Uhr gemeinsam die schmale Holztreppe, die Gott sei Dank einer großen Mauer entlang verläuft, auf die untere Etage.
Hier hat die Künstlerin genug Platz, um schöpferisch tätig zu sein. Unter der Galerie hat sie ihre bereits fertigen Werke gelagert. Daneben steht der Rollcontainer mit ihren Farben. Der Boden weist viele bunte Farbspuren vergangener Tage auf. Ein Erkennungsmerkmal vieler Ateliers. Wobei je nach ursprünglichen Belag und Arbeitsweise der Künstlerin/des Künstlers der Boden in seiner Gesamtwirkung schon variiert. Bei Silke Albrecht besteht er aus mit Farbe beklecksten Holzdielen. Höchst wahrscheinlich durch die Schüttungen entstanden. Aber dazu später (siehe unten: Wesentliches zur Künstlerin des Abends, Silke Albrecht).
Umrandet von großformatigen Werken, meistens aus mehreren einzelnen Teilen bestehend und überwiegend 2019 gemalt, lauscht die kleine Gruppe von ca. zwanzig Damen den Worten von Silke Albrecht. Authentisch und offen lässt sie uns in die unterschiedlichen Bereiche ihres Daseins als Künstlerin blicken: Sie erzählt von den Themen, die sie im Moment stark beschäftigen und so den Ausdruck in ihrer Kunst finden. Sie verrät uns, woher sie die Inspirationen, Impulse und/oder Ideen für ihre Kunstwerke findet. Sie erinnert sich an die Akademiezeit und wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass sie von der Kunstakademie in Münster nach Düsseldorf gekommen ist, um bei Andreas Gursky zu studieren.
Seitdem arbeitet und lebt sie in Düsseldorf. Gern zieht sie sich in ihr Atelier zurück, um stundenlang ihre Werke entstehen zu lassen. Dabei genießt sie die Isolation, so dass die große Eingangs-Glas-Tür ein schwerer, weißer Vorhang schmückt, den sie bei Bedarf einfach zuziehen kann, ohne das Licht zu sehr zu verfälschen und doch auf sich und ihr Schaffen vollkommen konzentriert zu sein.
Besuch hat sie eher selten, aber wenn, dann gern auch von Künstler-KollegInnen, die auch mal kritisch das eigene Werk bestaunen. Für die FrauenArt hat die Künstlerin die Wände wieder mal weiß gestrichen. Auf diese Weise wirken ihre großen und bunten Arbeiten besser. Diese “neutralen” und von der Farbe noch unberührten Wände lassen Sie jedoch auch zur Ruhe kommen und vereinfachen die Konzentration auf die Werke, die noch entstehen dürfen.
Ich bin mir sicher, dass die ein oder andere FrauenArt-Besucherin die Entwicklung von Silke Albrecht verfolgen wird. Noch nach dem Dialog entstehen – wie immer – einzelne Gespräche.
Da ab 20 Uhr bei dem in der Nähe vor ein paar Monaten neu Eröffnetem Restaurant Hanz und Franz ein Bereich für uns reserviert ist, verlassen wir kurz nach acht das Atelier. Die Gespräche gehen natürlich weiter, nun aber auch über das Leben selbst, das durch das köstliche , den leckeren Wein und die aufmerksame Bedienung in dem Laden auf der Hoffeldstr. 37, mehr als spürbar ist.

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Wesentliches über die Künstlerin des Abends

Silke Albrecht
Das Jahr 2020 meint es gut mit Silke Albrecht: Bereits Mitte Februar widmete ihr die Galerie Achenbach/Hagemeier in Berlin eine Einzelausstellung. Fast parallel wurden auch ihre Werke in Wien bei einer Gruppenaustellung gezeigt. Zwischendurch präsentierte sie eine Auswahl von Werken, die gerade 2019 entstanden sind, bei der FrauenArt am 18.02. und im April darf auch das internationale Publikum der ältesten Kunstmesse der Zeitgenössischen Kunst, nämlich der ART COLOGNE, ihrer Kunst begegnen.
(c) Silke Albrecht, Künstlerin Silke Albrecht in ihrem Atelier in Düsseldorf Flingern-Nord
(c) Silke Albrecht, Künstlerin Silke Albrecht in ihrem Atelier in Düsseldorf Flingern-Nord
Die Kraft, die die Künstlerin antreibt, sich jeden Tag mehrere Stunden in ihrem kühlen Atelier zu Klängen von New Age Musik der 70er Jahre ihrer Kunst zu widmen ist, in ihren Werken den Kontrast und gleichzeitig die Symbiose des Einzelnen mit dem Ganzen auszudrücken. In ihren aktuellen Arbeiten begegnen wir unterschiedlichen Schöpfungswelten, die sich wiederum aus einzelnen Mikrokosmen zusammen setzten. Oft weisen auch die Titel der Bilder auf diese visuellen Darstellungen von Brüchen und Entstehungsprozessen hin, wie z.B. “rupture” (= Riss, Bruch) oder “sediments” (=Ablagerungen).
Somit macht es auch Sinn, dass einzelne Kunstwerke von Silke Albrecht aus zwei bis vier einzelnen Teilen sich zusammen setzten. Durch diese Zusammensetzung ergeben die Teile in ihrer Gesamtheit ein Ganzes, gleichzeitig ist aber jedes Teil für sich auch ein eigenes und in sich abgeschlossenes, vollkommenes Ganzes. Oft unterscheiden sich die Einzelteile der Triptychons auch thematisch und stilistisch voneinander. Demzufolge kann selbst der Bildrahmen an sich als eine Umrandung der eigenen Welt für sich und gleichzeitig als eine Ab-Grenzung zu der anderen – dicht neben ihr gleichwertig wirkenden und existierenden Bildwelt – verstanden werden.
Konsequent zieht die Künstlerin ihre Sichtweise durch, denn die Wahl und Einsatz der Materialien ist alles andere als willkürlich, sondern der Gesamtintention entsprechend und zum Teil sogar provokant, wie z. B. die Einarbeitung des eigenen Atelierstaubs. Wiederum spannt das Blumengranulat den Bogen zu den surrealistisch dargestellten Pflanzenkompositionen. Und einzelne Spiegelscherben reflektieren das Erscheinungsbild des Betrachters im Bild selbst und somit der Komposition dieses kreierten Bildkosmos. Auf diese Weise wird der Betrachter, der zuerst nichts mit dem Bild zu tun hat und somit eine Distanz scheinbar vorhanden ist, doch in die Bildfläche hinein geholt – allein durch den Akt der Betrachtung bzw. dem Moment, in dem er als ein Individuum in Resonanz mit dem dargestellten Kunstkosmos im Bild tritt. Wesentlich hierbei ist die Zerstreuung des Spiegels, die demzufolge nie ein vollkommenes Ganzes des Betrachters wiedergibt, sondern nur immer einen Teil und somit auch seine Einzigartigkeit nur verzerrt auffängt.
(c) Silke Albrecht, Detail des Bildes "Ohne Titel (Salon 3)", 2019
(c) Silke Albrecht, Detail des Bildes "Ohne Titel (Salon 3)", 2019
Der Aspekt von Aktion und Reaktion zeigt sich auch zum Teil in dem Gestaltungsprozess, wie z. B. den Schüttungen bzw. Streuungen – wie es die Künstlerin selbst nennt – die sie durchaus im Entstehungsprozess mit beeinflussen kann, jedoch nie ganz kontrollieren kann, schon gar nicht bis ins kleineste Detail. Es ist eher eine bewusst kontrolliert unkontrollierte Arbeitsweise, bei der die Selbständigkeit der gewählten Materialien durchaus eine eigene Dynamik entwickeln und damit einhergehende freie Gestaltung der Oberfläche ermöglichen kann. Sehr gut wird dies in den oxidierenden Kupferplatten sichtbar.
(c) Silke Albrecht, Detail des Bildes "sediments (2)", 2019, ein Beispiel für "Schüttung" des Blumengranulats
(c) Silke Albrecht, Detail des Bildes "sediments (2)", 2019, ein Beispiel für "Schüttung" des Blumengranulats
Auf den ersten Blick auf die abstrakten Gemälde der Künstlerin Albrecht mag es aussehen, als ob vieles willkürlich entstanden ist, jedoch seien Sie versichert: Dem ist nicht so. Dementsprechend ist auch die genaue Auflistung der Materialien nicht der Genauigkeit des Galeristen geschuldet, sondern der bewussten Kommunikation der Künstlerin mit dem Betrachter, dem sie nicht, die für die Interpretation ihrer Kunst durchaus auch nützliches Wissen über die einzelnen Bildgestaltungselemente, vorenthalten will.
So schließt sich der Kreis zu den prägenden Themen im Schaffen der Künstlerin Albrecht: Individuum als vollkommenes Ganzes in sich und gleichzeitig ein Teil eines viel größeren Ganzen, dem gegenüber er auch verantwortlich ist. Ein falscher Glauben, dass wir als Mensch – im Vergleich zur Existenz der Erde einer Eintagsfliege gleich – die Erde beherrschen, kontrollieren können und infolge dessen eine immer mehr künstliche Welt erschaffen, die ab einem gewissen Zeitpunkt sich jedoch nicht (mehr) kontrollieren lässt.
Eine Perspektive, die sowohl gesellschaftskritisch als auch sehr zeitgemäß ist.
(c) Silke Albrecht, Bild "orom id atset (1)", 2019
(c) Silke Albrecht, Bild "orom id atset (1)", 2019
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